Willkommen in Accra! Statt strenger Überprüfung von Reisepass, Visum und Impfpass gibt es ein freundliches Hallo, ein „Akwaba“, ein freundliches Lachen und zack bist du eingereist. Besonders gut ist, dass sie das Gepäck durchwinken und ich nichts zu den Endoskopen, Rucksäcken sagen muss. Der feine „DRVG“ Aufkleber hilft, auch beim Zoll ein herzliches Willkommen und Dankeschön, dass wir kommen und helfen. Sogar einen kleiner Segen! Das einzige Problem: Dr. Caro’s Koffer ist nicht mitgekommen. Warten, Bedauern, Entschuldigungen – doch da ist nichts zu machen. „Wir rufen Sie an“. Jeder weiß, dass niemand anrufen wird. Mit einem kleinen unbürokratischen Nachweis und insbesondere der Kenntnis des Ortes, wo der Koffer abgeholt werden könnte, wenn er käme, machen wir uns auf dem Weg. Dr. Caro ist unruhig, lässt sich das aber kaum anmerken, ist also tapfer und damit es nicht zu aufregend für euch wird: der Koffer ist spät abendes doch noch angekommen. Leider wurden Caro und ihr Koffer auf dem Rückweg mit dem Taxis zum Hotel von der Polizei angehalten. Straßenkontrolle. Aber das kannte sie schon, hatte schnell die passende Summe in der Landeswährung Cedi in der Hand, die die Weiterfahrt sicherten.

Unser Hotel, das „Forte Royal“ hat gewisse Defizite, die aber durch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Besitzerin, „Madame“ und ihrem Personal mehr als ausgeglichen wurden. Auch die Köchin war sehr nett.

Nach kurzer Pause treffen wir uns in der Lobby. Die blauen Reisetaschen werden ausgepackt und der Inhalt im Raum verteilt. Auf Grundlage der detaillierten Nürnberger Packliste und ein bisschen nach Gefühl verteilen wir den Inhalt auf fünf Stapel, ordnen die den fünf Rucksäcken zu und dann wird gepackt. Meike tatkräftig, wenn auch nicht vom Fach, Florian filmt und hilft und eine Stunde später haben wir fünf prall gefüllte, wasserfeste, blaue Rucksäcke. Die werden wir in den nächsten Wochen auf den Weg nach Korforidua, Battor, Nkawkaw, Techiman und Damongo – in die DRVG Kliniken bringen.

Ein Rucksack wird schon vorher gebraucht.

Großes Hallo um 15:00 Uhr. Das Team aus dem Holy Family Hospital in Nkawkaw ist eingetroffen. Sie sind das „Endplastik – Team“, das sich durch die Zusammenarbeit mit Rotary in den letzten Jahren herausgebildet und stabilisiert hat. Mitgekommen sind Jude, Ruth, Sixtus, Diya und Samuel 1 (best fotographer) und Samuel 2, später kommt Emmanuel hinzu.

Nkawkaw? RotRot, so heißt die kleine Stadt 130 km nördlich der Hauptstadt in deren Holy – Family Krankenhaus meine Ghana Geschichte vor 46 Jahren begann. In die ich vor drei Jahren zurückgekehrt bin und seither in enger Verbindung, End – Plastic Team Mitglied ehrenhalber.

So ein „Hallo“ dauert seine Zeit und dann stellt sich die Frage, was machen wir mit dem angebrochenen Nachmittag. Abendessen im Hotel um 18:00 Uhr, das steht fest. Madame und ihre Köchin stellen uns eine große Auswahl „local food“vor. Dann ab an den Ozean, in den Rehabclub. An der Küste vor Accra kannst du nicht baden. Der Ozean ist belastet. Ein endloser Sandstrand, unterbrochen von Felsformationen, Sonnenuntergang im Westen, nach Süden endlos weiter Südpazifik. Malerisch das Ganze, doch irgendetwas ist schief gegangen.

Müll überall, zahllose Hochhäuser, die niemals fertig geworden sind. Skelette mit aufragenden tragenden Betonelementen, die nichts mehr tragen als sich selbst und leere Stockwerke und weitere tragende Elemente, rostige Stahlkonstruktionen. Die sind nicht nur nicht fertig geworden sondern, werden auch niemals fertig werden, sie sind schon wieder im Verfall. Doch der dauert, der Verfall, denn der hält der Beton. In den oberen Geschossen sind Möwen und Tauben eingezogen. Der Rehab Club ist auch schon ein wenig verfallen, besonders die Sitzgelegenheiten und Tische. Und ich sage dir: Trotz alledem kannst du dich der romantischen Stimmung am Meer nicht entziehen. Palmen, kleine Hütten, Familien mit ihren Kindern, Pferde im abendlichen Licht. Wir fotografieren uns gegenseitig, das Team freut sich zusammen zu sein. Wir klettern auf die Felsen, einer hat für den Rest des Abends nasse Füsse in seinen nassen, sandigen ON’s. Auch die anderen Strandgäste fotografieren sich, viele sind schön, alle finden sich schön. Auch die, die gar nicht schön sind. Anders als bei uns haben sie offensichtlich ein sehr positives Körperbild in sich, tanzen, posen, lassen sich immer wieder fotografieren. Bodyshaming ist etwas für die reichen Menschen im globalen Norden. Ein Drink in der Bar, klar sind wir nicht um sechs, auch nicht um sieben sonder viel zu spät im Hotel.

Müde und glücklich geht der abend zu Ende. Nur Caro muss noch einmal zum Flughafen. Doch diese Geschichte nimmt einen gutem Ausgang.

Und morgen? Morgen gehen wir in die Schule, Treffen mit den jungen Künstlerinnen, der Schuldirektorin und unserer Theaterlehrerin Naa. Versprochen.

Avatar von Ralf Hardenberg

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