Vorwort

In den Tagen vor dem Abflug träume ich schlecht. Von Unfällen, Überfällen, Krankheiten. Tagsüber Reisefieber. Die Frage ist: haben solche Träume etwas zu bedeuten? Sagen schlechte Träume schlimme Ereignisse voraus? Die einen sagen so, die anderen sagen so. Ich weiß es nicht und ihr müsst bis zur Antwort auf die Frage in diesem Fall bis zum Ende des Blogs warten.
Ich reise wieder mit den „German Rotary Volunteer Doctors“ (GRVD), die sich mit Auslandseinsätzen in Ghana und Nepal für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung einsetzen. Meine Mission: Endoskopie und Palliativmedizin.
Anreise mit großem Gepäck. Wir haben uns vorgenommen unsere Kollegen in Ghana mit modernen Palliativ – Rucksäcken für ihre Hausbesuche auszustatten. Die sollen mindestens so gut sein, wie die Rucksäcke, die unsere Palliativteams in Deutschland mit auf ihre Hausbesuche nehmen. Vollgepackt mit allem was nützlich ist. Blutdruckmessgerät und Stethoskop, Verbandsmaterial und Spritzen, alles was du brauchst, um eine Infusion anzuhängen und vieles mehr, manches willst du gar nicht so genau wissen. Organsiert und verpackt haben das Mitarbeiterinnen der „Speziellen ambulanten Palliativversorgung“ (SAPV) in Nürnberg. Ehrenamtlich und mit viel Liebe, das steht fest. Die Übergabe der fünf „brand new palliative care backpacks“ in Nürnberg an mich, kurz vor Weihnachten, war ein bewegender Moment. Sie haben alles in zwei gigantische blaue Reisetaschen gesteckt, sehr dicht, sehr schwer, alles rechtzeitig und mit einem Packgewicht unter 23 kg. In einer Tasche haben sie sogar Platz gelassen für meine Endoskope. Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass sie die Rucksäcke mit soviel Sorgfalt und Aufwand vorbereitet haben. Ich versuche das zum Ausdruck bringen (kleine spontane Rede), die mir nicht gut gelingt. Doch sie erinnern mich, dass sie uns vor mehr als einem Jahr ihre Unterstützung zugesagt haben für unser „Palliativmedizin für Ghana“ Projekt. Seither ist das SAPV Team Nürnberg zuverlässig dabei. Verlässlichkeit ist eine der Kernkompetenzen in der Palliativmedizin. Wir sind für Sie da! Wir kennen uns wenig, die ärztliche Leiterin war im letzten Jahr mit in Ghana, die anderen habe ich ein paar Mal kurz getroffen. Immer in fröhlicher Stimmung, offen und hilfsbereit. Sich gemeinsam für einen guten Zweck zu engagieren, das verbindet. Herzen.

Jeder Mensch hat ein Recht auf eine palliativmedizinische Betreuung am Lebensende. Auch in Westafrika, auch in Ghana. Wir arbeiten dran. Seit mehr als 10 Jahren, verlässlich, in den Fußstapfen von Dr. Henner Kraus, GRVD, der damit begonnen und soviele von uns gewonnen hat. Gemeinsam, für einen guten Zweck, Freundschaft – siehe oben.
Ich habe schlechte Träume, Reisefieber und dann kommt mir dauernd dieses alte Lied in den Sinn:
Mussi denn, mussi denn
Zum Städtele hinaus
Städtele hinaus
Und du mein Schatz bleibst hier.
Vor der Abreise kommt mir meine Welt in Deutschland, in Nürnberg ganz besonders liebenswert von, ich kann sie mit all den wunderbaren Menschen, meiner Familie, den Freunden, dem coolen Arbeitsplatz, der feinen Wohnung ganz nah an mich ran lassen und dankbar genießen.
Früher dachte ich mit dem „Schatz“ in dem Lied sei allein die schöne Geliebte gemeint. Doch mit dem „Schatz“ ist viel mehr gemeint, in meinem Fall das Leben in Nürnberg. Und dieser Schatz bleibt dort. Aber ich wollte ja aus dem Städtele hinaus. Warum? Bitte weiterlesen …
Wir sprachen ja schon von der Palliativmedizin und dem Lebensende. Da muss man irgendwie auch aus dem Städtele hinaus. Allerdings für länger. Gut, dass ich die Sache mit dem Schatz schon verstanden habe.
Ich vergaß: wir sind nicht nur in Sachen Endoskopie und Palliativmedizin unterwegs sondern auch in Sachen Plastik und Elektroschrott. Dazu habe ich ein Theaterstück geschrieben und wir haben gemeinsam mit dem „Endplastik Team“ der Stadt Nkawkaw, Ghana ein großes Festival vorbereitet mit anschließendem Cleanup in den Slums von Agbogbloshie. Doch dazu später mehr. An dieser Stelle nur: damit das gut wird, sind die Theaterpädagogin Meike und der Dokumentarfilmer Florian mit angereist. Meike müht sich mit der zweiten Riesentasche ab. Es kommt alles sicher in Ghana’s Hauptstadt Accra an. Ich kennen beide gut aus der Zusammenarbeit mit einem Theaterstück und Musical zum Thema Plastik in Nürnberg. Zurückgeflogen sind zwei Freunde.
Liebevoll begleitet geht es zum Flughafen, die Turkish Airline ist wirklich großzügig mit dem Gepäck. Kurz vor dem Wintereinbruch hebt die Maschine ab. Nett, dass sie die Flügel noch enteisen. Allerdings entsteht dabei eine gewisse Verspätung und so kam es, dass der Autor aufgeregt durch den riesigen Flughafen von Istanbul rennt, den nächtlichen Anschlussflug zu erreichen, der pünktlich abhebt, mit mir. Also mit uns: denn auch Dr. Caro erreicht den Flug in letzter Minute. Die Verzögerung ihres Abfluges vom Flughafen München war noch größer. Sie ist Palliativmedizinerin und reist schon viele Jahre nach Ghana, das erstemal noch gemeinsam mit Dr. Henner Kraus. Zusammen mit ihrer Kollegin Uta und den Ghanaern Dr Rex und Sr Lydia bildet sie das Team „the powerful four“. Sie haben über Jahre mit ihren Vorträgen überall in den Kliniken Ghanas „Feuer“ für unsere Sache entzündet und nun reist sie zu den jungen Palliativteams, die überall im Land entstanden sind. „Hands – On“ Mitarbeit bei der palliativmedizinischen Arbeit auf den Stationen, in den Ambulanzen und bei Hausbesuchen.


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