Mole und Tamale

Der Tagesrhythmus im Mole Nationalpark ist schnell gelernt: Morning – Safari, Frühstück (Rührei mit Toast), Schreiben mit Blick in den Park, Nachmittagssafari, Abendessen (Hähnchen mit Pommes und Mayonnaise, Club Bier). Ab ins Bett.

Aiden aus dem St Anne’s Krankenhaus in Damongo besucht uns noch einmal. Er kämpft für sein Krankenhaus und ist wirklich angenehme Gesellschaft.

Den Nationalpark haben noch die Briten eingerichtet, er dehnt sich im Norden Ghanas bis an die Grenze nach Burkina Faso und im Westen bis zur Elfenbeinküste. Er ist Heimat für die Savannenbewohner, allesamt Experten im Umgang mit den langen Trockenzeiten, enormer Hitze und den Folgen der Feuer.

Im Mai oder Juni beginnt es endlich zu regnen und das Leben explodiert. Die Subsahara ist die vom Klimawandel am meisten betroffene Region der Erde. Die Trockenzeit dauert immer länger. In der Regenzeit kommt es zu schweren Überschwemmungen. Schon sind mehr als 80 % der Tiere ausgestorben. Die Vielfalt der Arten, die wir in unmittelbarer Nähe unseres Hotels beobachten, verdankt ihre Existenz künstlich aufrecht erhaltenen Wasserlöchern. Doch in der Sonnenglut werden selbst die menschengemachten Wasserreservoire immer kleiner. In dem Wasserloch unterhalb des Hotels leben 40 Krokodile, wir haben sie gesehen. Ihre kreideweißen glatten Ausscheidungen auch. Interessant, die haben keine Falten im Darm. Es wird eng im Wasserloch und alle haben Hunger. Alle haben Durst. Kaum hast du ein Problem, findet sich jemand, der das ausnutzt. Die Elefanten sind zu groß für die Krokodile, dennoch nähern sie sich vorsichtig. Wusstet ihr, dass Krokodile Elefanten in den Rüssel beißen? Der ist echt sensibel. Da näherst du dich ganz vorsichtig.

Am Montag besuche ich Abdul in Tamale, das ist eine 500.000 Einwohnerstadt 3 Autostunden entfernt vom Nationalpark. Abdul hatte uns in Deutschland besucht, er ist Endplastic – Aktivist und Klimaschützer. Im Norden Ghanas ist die Frage nach dem Klimawandel beantwortet: es gibt ihn und er zerstört die Lebensgrundlagen der Menschen. Tiere: siehe oben. Auch das Plastikthema ist geklärt: Plastik überall. Wenig Grün. Magere Ziegen kauen auf grauschwarzen Plastiksäcken herum.

Abdul gibt nicht auf, er hat an 20 Schulen Cleanups durchgeführt, Plastik gesammelt, das in kleinen mobilen Containern getrennt und später recycelt wird. Die Schulhöfe sind sauber.

Er zeigt mir seine Farm, auf der er organisch nachhaltig produziert.

Wir fahren an Wäldern vorbei, die im Plastikmüll ersticken. Nicht auszuhalten. Abdul forscht zum Agro – Reforresting, sammelt das Plastik ein, integriert landwirtschaftliche Nutzflächen in die Wälder. Dann werden die wieder grün. CO2 Wiederaufnahme inklusive.

Wir sind Freunde. Beim Motorradfahren durch den wilden Straßenverkehr habe ich Angst und halte mich tüchtig an ihm fest. Vorn sitzt sein Sohn Nasara. Er wird schon vorsichtig fahren. Leider telefoniert er zwischendurch. Seine Frau entbindet heute den zweiten Sohn.

Zurück im Park: Abendessen, Club, Nachtsafari mit Hyäne. Am nächsten Tag geht es auf den Heimweg. Inlandsflug Tamale – Accra und dann ab nach Hause. 

Schlechte Träume vor der Abreise sagen keine schlechten Ereignisse voraus.

Bei der Ausreise will der freundliche Beamte von mir wissen, was ich in Ghana gemacht habe und ob ich wiederkomme.

Abschied nehmen.

Und du mein Schatz bleibst hier.

Avatar von Ralf Hardenberg

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