Komm wir fahren ans Meer. Zwei Nächte, ein ganzer Tag am Ozean. Nach langer Suche haben wir uns für das Ko Sa Beach Resort in Ampeni entschieden. Meike und Florian fahren an ihrem letzten Tag mit, müssen aber wieder zurück nach Accra. Rückflug ab Kotoka International Airport um 21:40 Uhr. Das wird knapp.

Unterwegs halten wir im Cape Coast Castle, einer der berühmtesten Sklavenburgen Ghanas, kurz vor Anerkennung als Weltkulturerbe. Wir treffen wieder auf den „Uncle“, Kwesi Essel – Blankson. Ruth hat die Führung mit ihrem Onkel organisiert.

Uncle gilt als der kenntnisreichste und beste Führer und hat schon alle möglichen Prominenten durch das Castle und seine Geschichte geführt, Barack Obama inklusive.

Sein Buch ist fertig: „Cape Coast Castle & The Trans-Atlantic Slave Trade. Our history“. Kwesi ist Historiker und Philosoph der Universität Cape Coast, Regionaldirektor der Ghana Museen der Western Region. Es ist ein kluges Buch, in eindrucksvoller Sprache. Es ist voller lebendiger Geschichten, erschreckender Fakten. Ob er mir seine Datei sendet, damit ich es ins Deutsche übersetzen kann? Die Überlegung gefällt ihm.

Wenn ihr euch interessiert, ich habe im Januar 2024 Blog schon über das Cape Coast Castle und Kwesi Blankson geschrieben.  Ihr findet es unter „Slavery is not our history – Slavery interrupted our history“

Den Handel mit den Sklaven der Subsahara Region haben die Portugiesen im Jahr 1441 mit ersten 1500 Gefangenen begonnen. Er dauerte bis zum Verbot der Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1865. Es gab mehr als 12 Millionen Versklavte. Es hat ihre Geschichte unterbrochen und tiefe Wunden hinterlassen. Der britische Kolonialismus dauerte noch bis 1957, bis Ghana als erster Staat unabhängig wurde. Und glaubt mal nicht, dass das Welthandelssystem ihnen gerechte Handels- und Entwicklungsbedingungen gewährt hätte.

Mich erschüttert die schreckliche Grausamkeit der Sklaverei. Sie übertrifft alle Vorstellung. Zu Beginn diente die Quälerei und das Morden dazu, Angst zu verbreiten, sie war terroristische Methode zur Unterwerfung. Sie hat sich dann offenbar verselbständigt. Obama war dort; die Queen und King Charles nicht.

In Cape Coast gibt es eine „Condemned Cell“ in die Sklaven eingesperrt wurden, die nicht aufhören wollten, gegen das Leid Widerstand zu leisten. Ein fensterloser, muffiger Raum, Steinboden. Kein Wasser, nichts zu essen, nichts zu trinken. Bis sie starben. Täglich mussten Gefangene den Raum leeren. Die furchtbaren Bilder und Gerüche, Schreie waren Warnung für alle Gefangenen, sich dem Schicksal widerstandslos zu ergeben.

Doch allein mit Grausamkeit lässt sich ein solches System nicht 400 Jahre aufrechterhalten. Deshalb haben sie begonnen die Bevölkerung zu spalten. Chiefs auf ihre Seite zu ziehen, mit einer wohlhabenden afrikanischen Schicht Geschäfte zu machen. Dann geht das leichter.

Einmal verschifft begann übrigens eine elende transatlantische Überfahrt, bei der viele der Sklaven starben. Einer der Händler hatte seine „Ware“ versichert und hat viele Sklaven in stürmischer See über Bord geworfen, um nicht zu kentern. Da wollte er nun Schadensersatz von der Versicherung. Der Prozess, in dem er seine Versicherung einklagen wollte ist gut dokumentiert:

Unbedingt lesen: „The Zorg“ von Siddharth Kara. 2025.

Unbedingt ansehen: T.M. William Turner „Slave Ship – Slavers Throwing Overboard the Dead and Dying, Typhoon Coming On“ (1840) in der Tate, London. Ich komme mit.

Soll ich jetzt noch etwas von unserer Weiterreise zum Ozean erzählen, über das KoSa Beach Resort? Ich muss mich erst beruhigen und dann in die Arbeit stürzen. Auf nach Battor.

Nur zur Beruhigung: Meike und Florian erreichen ihr Flugzeug, knapp aber innerhalb der Ghana Time und senden schon am nächsten Tage Fotos aus dem Winterwunder Heimatland.

Avatar von Ralf Hardenberg

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