5. Tag – Donnerstag – It’s Showtime!

Auch heute ist der Aufbruch mühsam. Wir sind keineswegs pünktlich. Nur die Schülerinnen sind schon da und die Kleinen aus Agbogbloshie.

Viele Begrüßungen, Händelschütteln, nice to meet you mit dem örtlichen „Chief“ und vielen Offiziellen. Beeindruckend, wer alles den Weg zu uns gefunden hat. Naa läuft durch den Saal, letzte Vorbereitungen und Coachen ihrer kleinen Stars. Florian baut die aufwändige Filmtechnik auf und ich lese noch eimmal meine Rede durch.

Ohne Rede geht hier gar nichts!

Gebet zur Eröffnung.

Dann folgt die Nationalhymne. Grußworte, Antworten auf Grußworte und dann bin ich dran.

Ein in wunderbar bunten Farben gekleideter Moderator führt durch die Show. Die kleinen Engel aus Agbogbloshie beginnen, tragen ihre Gedichte vor. Schüchtern, doch spätestens mit dem Beifall zeigen sie ihr umwerfendes Lachen. Dann läuft das Programm: Tanzeinlagen, Trommeln, Gesang, mein Theaterstück und abschließend eine moderne Tanzchoreografie. Sämtliche Darstellungen durch Schülerinnen aus St. Mary’s. Das Publikum tobt, spätestens bei der Choreografie sind sie vollkommen aus dem Häuschen. Ich bin im Theater – Himmel. Was für eine Show!

Florian wird seine Aufnahmen zusammenstellen, dazu kommt ein Text von mir und sobald das fertig ist, findet ihr an dieser Stelle den Link.

Zum Abschluss gibt es einen Preisverleihung für die schönsten Kunstwerke, die in den Schulen aus Plastikabfall hergestellt wurden. Und einen Extrapreis für unsere Kleinen aus Agbogbloshie. Aufgeregte Freude überall, die Veranstaltung beginnt, sich aufzulösen. Händeschütteln, Beifall, Fotoshooting, jeder muss und möchte mit auf die Fotos.

Ein letztes Mal sammeln wir uns. Abschlussgebet durch unseren Pastor, der kluge Worte findet. Die Botschaft ist angekommen und hat hier viele Unterstützer.

Zurück aus dem Theaterhimmel bin ich erleichtert, alles Schwere ist weg, the show has been done.

Unser kranke Heldin hat es nicht nehmen lassen, bei uns zu sein. Jetzt ist es Zeit, sie nach Hause zu bringen.

Abends machen wir uns auf den Weg, ein Restaurant zu suchen. Das geht so: wir brechen auf und laufen ein paar Schritte. Dann bleiben wir stehen, mit der Frage: wohin? Einige telefonieren, andere unterhalten sich, flirten, machen Witze. Ein Taxi wird herbeigerufen, dass eilig auf der viel befahrenen Straße wendet. Leider gerät es dabei in ein tiefes Loch am Straßenrand. Das Team stürmt los, Hilfe naht, Jude packt mit Bärenkräften an, der Fahrer gibt Gas, dass der Reifen quietscht, ich habe Sorge, der platzt gleich. Dann ist das Taxi wieder fahrbereit und der Fahrer so dankbar, dass er uns kostenlos zum Restaurant bringen möchte. Doch in welches? Tagsüber ist viel los in Accra, nachts sehr viel. Schließlich landen wir im „Afrikiko“, das uns wärmstens empfohlen wurde. Nur der Burger ist kalt, die Fritten auch. Ein Burger kann nicht aufgewärmt werden, so dass er nach der Reklamation in gleicher Form wieder serviert wird. Das kalte Spiegelei inklusive. Aber nach so einem Festival ist alles egal, das Leben ist schön. Neben dem Restaurant ist eine offene Tanzfläche auf denen westliche Standardtänze geübt werden. Eins, zwei, drei, Tip, eins, zwei, drei Tip, schieben sich hochkonzentrierte, ernste Paare über die Fläche. Unglaublich in diesem Land, in dem sie mit soviel Rhythmus und Spaß tanzen, mit soviel körperlicher Erotik. Kulturelles Verbrechen. Manche spinnen einfach, sie haben eine so faszinierende Hautfarbe und kaufen sich teure und krankmachende Weissungsmittel, Reklame überall.

In Afrikiko sind die Reichen und Schönen, dröhnen überdimensionierte Autos mit mindestens zwei dicken Auspuffrohren, es wird gepost, gefilmt und gepostet. Seht her, seht mich. Dort sitz ein muskulöser Moderator mit kräftigem schwarzen Bart im Kameralicht und interviewt glimmernde Damen und coole Typen. Durchgestylter Dreh. Ich glaube für die Filme müssen sie zahlen und dann gehen die sofort: Online.

Ernüchtert fahren wir nach Hause.

Avatar von Ralf Hardenberg

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