Techiman und Damongo
Das Holy Family Hospital in Techiman ist eines der großen Krankenhäuser in Ghana. Es gibt dort nahezu alle Fachabteilungen. Moderne medizinische Standards sind etabliert. Es ist als Lehr- und Ausbildungskrankenhaus anerkannt. Die GRVD sind seit langem und sehr intensiv in die Entwicklung dieses Krankenhauses eingebunden. Beispiele? Augenklinik 2023, Endoskopie 2025, Palliativmedizin seit 2020, Mutter – Kind Zentrum und natürlich haben sie die Entwicklung zum Lehrkrankenhaus begleitet. Das Jahrzehnte Engagement hat sich gelohnt!
In der Endoskopie gibt es ein gut eingearbeitetes Team, tolle Räume und eine moderne Anlage. Wir haben ein Geschenk dabei, ein ganz ein sensibles. Ruth nennt es schon ihr „Baby“. Bronchoskope sind sehr dünn und etwas empfindlicher als ihre dicken Kollegen von der Magenspiegelung. Sebastian aus dem Krankenhaus in Damme (siehe Rückblick im Battor Blog) hat es mir mitgegeben. Es kommt in gute Hände, wird gleich überprüft: alles in Ordnung. Danke.

Mein Anliegen ist, dass die Endoskopie in Techiman uns beim Aufbau des GRVD Endoskopie – Netzwerkes hilft. Sich an den Trainings beteiligt, Ärzte und Endoskopie – Nurses ausbildet und in schwierigen Einzelfällen hilft. Dass sie uns den Rücken stärken und dafür aus den anderen Krankenhäusern anspruchsvolle Untersuchungen und Behandlungen zugewiesen bekommen. Kurz: sie stimmen zu. Das Endoskopie – Netz hat jetzt einen doppelten Boden.

Wir treffen auf Dr Caro und Uta von der SAPV Traunstein. Uta ist Palliativ – Fachkrankenschwester mit enormer Berufserfahrung und fährt schon seit 5 Jahren nach Ghana. Sie ist eine der Referentinnen der „powerful four“ und an allen Standorten bestens bekannt. Sr Lydia leitet die Palliativeinheit in Techiman, sie ist fester Bestandteil der Familie. Im letzten Jahr hat sie uns in Deutschland besucht. Sie ist also auf der Brücke zwischen den Welten unterwegs und erreicht ganz viel für die Entwicklung der Palliativmedizin in Ghana. Seit diesem Jahr bildet sie Krankenpflegepersonal in specialized palliativ care aus.

Also haben wir in Techiman sowohl in der Endoskopie als auch in der Palliativmedizin nachhaltige Unterstützung für die Projekte. Der Besuch hat sich gelohnt.
Am nächsten Morgen geht es weiter nach Damongo. Es gibt zwei unterschiedliche Meinungen zur Frage, wie lange die Reise dauert. Alex, unser best driver aus Nkawkaw ist sich sicher: 10 bis 12 Stunden. Uta und Caro meinen: 3 bis 4 Stunden. Ralf freut sich, dass die Frauen recht haben. Mittags kommen wir in Damongo an.
Ghana ist anders hier. Es gibt endlos weite, trockene, verbrannte Savannenlandschaften, lichtes Buschwerk, einfache Hütten, teils aus Lehm. Viele Moscheen, Menschen in religiös – islamischer Kleidung. Der Boden ist ausgedörrt, die Rinder sind dürr, die wenigen verbliebenen Bäume haben von den ewigen Feuern geschwärzte Stämme. Es ist Trockenzeit und die hält seit einigen Jahren immer länger an. Überall: Müll. Einige der Lehmhütten sind rund. Lass uns mal anhalten: let’s take a picture. Da liegt viel Arbeit für unser Endplastic Team!

In Damongo werden wir vom jungen Krankenhausdirektor Aiden empfangen und kurz darauf ist das gesamte Leitungsteam in seinem Büro versammelt. Wir überreichen unseren Palliativrucksack, den der Finanzchef an sich nimmt. Er wünscht sich genau so einen Rucksack, allerdings lieber gefüllt mit Geld, denn daran mangelt es hier.

Das Krankenhaus in Damongo ist mit dem in Nkawkaw und erst recht nicht mit dem in Techiman vergleichbar. Viele Krankenhausabteilungen sind marode und renovierungsbedürftig. Es ist ein kleines Krankenhaus auf dem Land und dennoch Zentrum für acht weitere, oft weit entfernte ländliche medizinische Einrichtungen und Ambulanzen.
Ich kann dem Leitungsteam versichern, dass seine engagierte Arbeit in der GRVD wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Wir wollen die Unterstützung fortsetzen. Nun wünschen sie sich auch eine Endoskopie – Einheit. Sie haben eine, die steht im kleinen OP Saal und funktioniert möglicherweise noch. In der Palliativmedizin ist der Startschuss gefallen, ein Pfleger absolviert die dreijährige Fachausbildung, fünf haben bereits den Uganda Online Kurs absolviert, fünf weitere können sich in diesem Jahr qualifizieren. Der Anfang ist gemacht, es wird zwei bis drei Jahre dauern, bis die Arbeit beginnen kann.
Der ärztliche Direktor führt uns durch sein Krankenhaus. Dort gibt es die „Maternity“, in der Mr John Mahama, His Excellency the President of the republic of Ghana geboren wurde:

Nun muss wohl eine neue gebaut werden. Es gibt sehr viele Geburten; so viele, dass nicht alle Frauen untergebracht werden können, viele müssen auf dem blanken Boden schlafen. Einen Gynäkologen gibt es gerade nicht. Unser Chirurg kann auch Kaiserschnitt.
Im kleinen OP Saal steht tatsächlich ein Endoskopieturm unter einer staubbedeckten Plastikplane. Als die entfernt ist, zeigt sich eine Einheit der Firma Storck mit einem Gastroskop. Ruth schließt das Gerät an, ein großer Röhrenmonitor springt an, kein Bild, lediglich zwei Leuchtpunkte.

Aiden erzählt uns später, dass sie mehrfach versucht haben, mit dem Gerät zu arbeiten, das aber nicht geschafft haben. Es lag nicht an ihnen. Vermutlich hat das Gerät bei Anlieferung funktioniert. Jetzt jedenfalls ist es Medizingeräte – Müll und müsste entsorgt werden. Das ist die Manifestation des Gegenteils von dem, wie ich mir die Entwicklung der Endoskopie in unseren Krankenhäusern vorstelle. Ab jetzt bin ich der Meinung, dass auch Damongo eine faire Chance zur Entwicklung der Diagnostik bekommen soll und rechne schon durch, ob wir genug Ressourcen haben, das zu erreichen.
Es wäre eine spezielle Aufgabe, Hitze und Trockenheit sind enorm, die Armut bedrückend und die Infrastruktur schlecht. Ausserdem: christliche Diaspora. Es gibt muslimische Stämme, die das Krankenhaus attackieren und seine Entwicklung hemmen. Nein, Mitarbeiter sind nicht in Gefahr.
Alex und Ruth bringen uns noch in den Mole Nationalpark, der eine halbe Autostunde entfernt liegt. Wir checken in das Mole Motel ein, Caro mit all ihrer Erfahrung, prüft erstmal den Zustand der Zimmer. Läuft das Wasser, gibt es Strom, funktioniert der Kühlschrank und vor allem die Toilettenspülung.
In der Zwischenzeit habe ich Alex mein Fernglas gegeben. Das Mole Motel liegt auf einer Anhöhe mit freiem Blick in den Park und seinen Wasserlöchern. Und da stehen sie: die Elefanten, afrikanische mit großen Ohren und trinken, einer badet. Alex ist außer sich vor Begeisterung. Ich freue mich, dass er die lange Reise mit uns gemacht hat.

Beim Abendessen (Hühnchen mit Pommes und Mayonnaise) genießen wir den Sonnenuntergang und den weiten Blick in den Park, dessen Bewohner wir in den nächsten Tagen kennenlernen werden.
Qualm, in der Ferne Feuer. Um uns herum trockenes Buschland. Wie weit sind die Feuer weg? Die Buschbrände sind endlos, der gesamte Horizont brennt. Der freundliche junge Kellner beruhigt uns, es sind mindestens 120 Kilometer bis zum Horiziont. Die Ranger legen die Feuer, um den Park und seine Tiere nach aussen zu schützen. Feuerring gegen die Wilderer. Ich bin gleich beruhigt, Uta nicht. Wie weit kann eigentlich das menschliche Auge sehen? Wir sehen die Flammen, riechen den Rauch, Aschepartikel fliegen umher. Das Wifi geht gerade und wir fragen die KI. Das menschliche Auge kann in der Ebene im Durchschnitt 4,7 km weit sehen. Nur in den Bergen, bei Föhn sieht es weiter. In der Nacht nimmt der Brandgeruch dramatisch zu, ich liege in meinem Zimmer und höre meine Nachbarinnen unruhig diskutieren. Sollen wir nachsehen? Wir müssen nachsehen! Vielleicht ist das Feuer schon ganz nah. Sie haben eine sorgenvolle schlaflose Nacht. Ich denke mir, es wird schon Hotelmitarbeiter geben, die auf uns aufpassen und uns warnen und notfalls eine Feuerwache. Das beruhigt mich. Tatsächlich passt keiner auf uns auf. Aber die Feuer sind ja weit weg. Mehr als 100 Kilometer. Sure!
Am nächsten Morgen geht es früh los auf Wandersafari. Viele Tiere sind schon wach.


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